Die heutige Landwirtschaft – und damit die ganze Volkswirtschaft – ist weder einzelbetrieblich noch global zukunftsfähig, weil ihr dazu die nötigen Bedingungen fehlen.
Die Landwirtschaft ist der einzige Wirtschaftsbereich, welcher mit positiver Stoff- und Energiebilanz arbeiten kann. Trotzdem nimmt auch hier der Verbrauch endlicher Rohstoffe zu. Die Landwirtschaft in Deutschland ist zu einer Restgröße geschrumpft. Die Bundesrepublik ist der größte Agrarimporteur der Welt.
Als Hauptproblem muss angesehen werden, dass alle agrarischen Systeme heute nur noch unter dem Gesichtspunkt finanzieller Rentierlichkeit angesehen werden und eine katastrophale Vermischung von Natural-, Personal- und Finanzproduktivität gepflegt wird. Das System des modernen Kapitalismus kennt nur eine Nachhaltigkeit: Jedes Jahr muss von jedem Quadratmeter und von jedem Menschen mehr Geld in den Zins fließen. Man nennt dies „Wachstum“. Das macht heute die Landwirtschaft der Welt und ganze Länder „platt“. Die Landwirtschaft ist der einzige Wirtschaftszweig, der seit rund 70 Jahren die Preise für seine Erzeugnisse nicht nach eigener Kostenlage selbst bestimmen kann, da sie in ein deutsches, ein europäisches und ein internationales Marktgeschehen mit (europäischen) Subventionen eingezwungen ist, die an strenge Reglementierung und Vorgaben für die Erzeugung gebunden ist , die großflächige sowie Massenstrukturen ungleich finanziell begünstigen. Diese Handhabung widerspricht dem Bild des lebendigen Betriebsorganismus, der ohne Ausbeutung eine fruchtbare Bodenerhaltung und gesunde, weil sorten-vielfältige und indiviuelle Standort-Gegebenheiten berücksichtigend sein Auskommen durch flächenangepassteVeredelungsproduktion erwirtschaftet, was häufig sehr arbeitsintensiv auf Familienbetrieben ohne Fremdkräfte geschah. Die Anpassung an Bestimmungen und Entwicklungen führte durch den finanziellen Druck zur kontinuierlichen Hofaufgabe der allermeisten Höfe. Interessanterweise sind die übrig gebliebenen nicht etwa solide „bessere Landwirtschaften“, sondern hochmoderne spezialisierte, hoch abhängige und meistens hoch verschuldete Höfe und Hof-Kapitalgesellschaften. Beispiel: Wurden die Ferkel in den 70er Jahren noch überwiegend in Süddeutschland erzeugt, ist die Ferkelerzeugung heute weitgehend nach Spanien abgewandert, oder die Erzeugung von Zitronen von Spanien nach Länder in Afrika. Der Verbrauch an Wasser ist in der Tierhaltung besonders hoch. So bleibt für die Beregnung von unrentablen Zitronen nicht mehr genug übrig. Ein anderes Beispiel: Tiere aus Stallhaltung finden keinen Absatz in Deutschland mehr, weil die Discounter ab diesem Jahr 2025 mindestens Klasse 3 (Laufstall-Haltung) vorschreiben. Das bedeutet, wer diese Anforderungen nicht erfüllen kann, dessen Tiere finden kaum noch Käufer. Diese Anforderung wird von anderen Ländern nicht in gleichem Maße erhoben, was die inländische Landwirtschaft besonders der Kleinbetriebe beschädigt.
Deshalb müssen heute für die Zukunft Modelle formuliert werden, welche davon unabhängige, lebensfähige Strukturen bilden können. Und es müssen Menschen ausgebildet werden, welche den Notwendigkeiten der Zukunft gewachsen sind. Dies kann die Bauenschule unter gegebenen Bedingungen nicht leisten. Was aber bedeutet diese gegenwärtige Situation der Landwirtschaft in Europa und insbesondere in Deutschland für die Bevölkerung? Die Ernährung der Bevölkerung durch die einheimische Landwirtschaft ist nur noch zu prozentual veränderlichen Teilen verfügbar und im Krisenfall nicht mehr für alle gesichert. Nur wer seine Lebensmittel selbst gesund und wirtschaftlich erzeugen und gesunderhaltend verarbeiten kann oder den Einkauf solcher finanzieren kann wird sich dann noch aussuchen können, was auf den Tisch kommt.
Deshalb müssen heute für die Zukunft Höfe GESCHÜTZT werden, welche vom Markt unabhängige, lebensfähige Strukturen bilden können. Und es müssen Menschen ausgebildet werden, welche den Notwendigkeiten der Zukunft gewachsen sind. Darin liegt das Potential für die Arbeit am Bewusstsein und seiner Entwicklung, dem die Bauernschule und die Gesamtgesellschaft sich stellen muss.
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